Abwehrmechanismen sind die Reaktion auf traumatische Erlebnisse und dienen dem Schutz vor erneuten Verletzungen. Hinter diesen Schutzstrategien verbergen sich Gefühle wie: Angst nicht gut genug zu sein. Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, Verlust oder vor Nähe. Angst die Kontrolle zu verlieren, andere zu verletzen oder zu versagen. Angst vor dem Alleinsein, bis hin zur Angst vor der Angst. Jeder hat seinen eigenen Abwehrmechanismus, um den Schmerz von damals nicht noch einmal durchleben zu müssen. Es kann ein Abwehrmechanismus oder auch eine Kombination aus mehreren Abwehrmechanismen sein, die zum Schutz der eigenen Persönlichkeit entwickelt wurden.

Letztendlich sind es aber genau diese Abwehrmechanismen, die verhindern sich in zwischenmenschlichen Beziehungen fallen lassen zu können und anderen zu vertrauen. Sie machen im Erwachsenenleben nichts als Ärger!

Glaubenssätze sind Überzeugungen, Grenzen, Muster und Verallgemeinerungen. Über das Leben, über uns selbst, über andere, die uns oft durch unser ganzes Leben begleiten und es entsprechend beeinflussen.

Denn wir suchen unbewusst immer wieder die Bestätigung, dass unsere Glaubenssätze wahr sind, sodass sie sich immer mehr in unserem Unterbewusstsein verankern und dort wirken. Glaubenssätze beeinflussen unsere Entscheidungen, Gefühle und Handlungen.

Vermeidung

Typische Glaubenssätze: „Ich reiche nicht!“ „Ich bin dir ausgeliefert!“ „Ich bin wertlos!“ „Neuem und Veränderungen stehe ich überwiegend ablehnend gegenüber, bleibe bei dem, was ich kenne, und 
gehe keine Risiken ein.“ „Konfrontation ist nicht gut!“

Bestimmten Situationen oder Handlungen wird aus dem Weg gegangen. Damit vermeidet die Person bevorstehende Unannehmlichkeiten oder Bedrohungen für den Körper oder die Psyche.

Die Vermeidung ist eine Reaktion auf innere oder äußere Hinweise, die eine Gefahr ankündigen können. Das ist zwar einerseits schützend, jedoch werden so andererseits neue Erfahrungen verhindert, was das Leben erheblich einschränken kann.

Bei Angst vor emotionaler Nähe ist Kontaktvermeidung die grundsätzliche Schutzstrategie. Es ist die Vermeidung von emotionalem Kontakt sowohl nach innen zu den unangenehmen Gefühlen als auch nach außen zu den anderen Menschen. Es stehen fünf Strategien zur Kontaktvermeidung zur Verfügung: Die Projektion („Die anderen Menschen sind doof“), die Introjektion („Ich bin doof“), die Retroflektion („Ich fühle nichts“), die Deflektion („Ich muss mich ablenken“) und Konfluenz („Ich muss mich dir anpassen“). Wenn sich ein Kind stark den Erwartungen der Eltern unterordnen musste, dann kann es sich nicht angemessen behaupten. Stattdessen trainiert es, seine Antennen auszufahren, um möglichst rechtzeitig auf die Stimmungen und Wünsche der Eltern reagieren zu können. Ein Kind, dessen Mutter traurig reagiert, weil es nicht die Erwartungen erfüllt hat, hat keine Chance sich von ihr abzugrenzen. Es empfindet Mitleid mit der Mutter und fühlt sich gleichzeitig schuldig und verantwortlich. Es macht daraufhin „freiwillig“ was die Mutter erwartet. Als Erwachsene haben diese Kinder häufig Bindungsangst, weil sie sich nicht abgrenzen können und sich deshalb schnell durch die Nähe ihres Partners bedrängt fühlen. Nicht selten haben sie als Kind erlebt, dass ein Elternteil sehr einnehmend und zum Beispiel enttäuscht war, wenn das Kind lieber mit Freunden spielen wollte. Es sind oftmals diejenigen, die als Kind die Rolle des Elternteils übernehmen mussten.

Flucht in die Sucht

Typische Glaubenssätze: „Ich reiche nicht!“ „Ich bin dir ausgeliefert!“ „Am besten ist es, Gefühle und die Bedürfnisse nach Liebe und Schmerz wegzuschieben, es gibt so viele 
Möglichkeiten sich abzulenken!“

Ein Spezialfall der Vermeidung ist die Flucht in die Sucht. Alkohol, Nikotin, Drogen, Tabletten oder Süßigkeiten trösten das verletzte innere Kind, welches sich nach Schutz, Geborgenheit, Entspannung und Belohnung sehnt. Auch Shoppen, Arbeit, Spiel, Sex oder Sport können suchtartig betrieben werden, um sich abzulenken, um nicht nach innen schauen zu müssen. Sucht ist eine Suche, doch im Außen findet man das was man sucht nicht! Durch kein Statussymbol, keine Droge, keinen Partner. Denn das was man sucht, ist man selbst!

Auch wenn man in der Technoszene nicht von Sucht spricht, da man es aus purem Spaß macht und jederzeit aufhören könnte, richtet sich dieser Abschnitt genauso auch an Konsumenten von Partydrogen. Ecstasy & Co. sind der Versuch die Kindheit nachzuholen, noch ein bisschen zu spielen,.Urlaub von den Gedanken zu bekommen, Emotionen zuzulassen, Kontakt zu sich und anderen zu bekommen. Feiern ist aber definitiv ein Symptom!

Die Sucht im Außen zeigt sehr deutlich die Sucht im Inneren, die emotionale Abhängigkeit. Verlustangst, Selbstaufgabe, Kontrolle, Loslassen sind Themen von Konsumenten. Ausgelöst wird all das durch die SehnSUCHT nach Liebe von den Eltern, die schon als Kind begann, meist nicht endet und so gut wie nie erfüllt wird. Diese SehnSUCHT ist es, die einen schon früh zu Abhängigen macht. Statt Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, mussten viele schon im Kindesalter erwachsen werden. Sie fühlten sich in jungen Jahren für ein Elternteil, oder Geschwisterkind verantwortlich und luden nicht selten Schuld auf die eigenen Schultern. Verantwortung lernten sie nur in Verbindung mit anderen, aber nicht für sich selbst. Dasselbe gilt auch für das Helfersyndrom, was auch eine Art Sucht ist, die Sucht zu helfen.

Leugnung und Verdrängung

Typische Glaubenssätze: „Ich reiche nicht!“ „Ich bin dir ausgeliefert!“

Bei der Verdrängung verleugnen wir so gründlich, dass wir das Verleugnete kaum noch bewusst wahrnehmen. Bei der Verleugnung wird alles, was nicht ins Weltbild passt, kurzerhand ignoriert. Wütend verteidigt man den eigenen Standpunkt bis aufs Blut, oder verbannt Menschen aus dem eigenen Leben, die einen nicht so spiegeln, wie man es gern hätte. Das eigene Kartenhaus darf auf gar keinen Fall einstürzen!

Es werden bestimmte Aspekte der Realität, die für andere offensichtlich sind, nicht anerkannt. So kann es beispielsweise vorkommen, dass man die Seitensprünge des Partners nicht wahrnimmt, obwohl es für Außenstehende unübersehbar erscheint. Das Ignorieren beziehungsweise Leugnen von häuslicher Gewalt, Anzeichen einer Krankheit oder diversen Formen der Essstörung sind typische Beispiele. Es werden also die Realitäten verdrängt, die unangenehme Gefühle wie Angst, Trauer oder Hilflosigkeit auslösen. Dies ist auch der Grund, warum sich Menschen mit einer traurigen Kindheit an diese zumeist nur lückenhaft erinnern, während Menschen, die eine sehr schöne Kindheit hatten, sich diese sehr gut ins Gedächtnis rufen können. Im Grunde ist die Verdrängung die „Mutter aller Abwehrmechanismen“, da letztendlich der gesamte Selbstschutz auf Verdrängung aufbaut. Alle weiteren Schutzmechanismen, wie beispielsweise Macht- und Perfektionsstreben, das Helfersyndrom oder Suchtverhalten dienen der Verdrängung. Wenn ich jedoch verdränge, kann ich sie nicht bearbeiten. So kann Perfektionsstreben zum Beispiel irgendwann zur totalen Erschöpfung bis hin zum Burn-Out führen. Verdrängtes kommt oftmals in Träumen, Fehlleistungen oder durch Krankheitssymptome wieder zum Vorschein.

Projektion

Typische Glaubenssätze: „Meine Mitmenschen sind die Ursache für meine Gefühle!“ „Andere haben es immer leichter!“ „Ich bin ein Opfer der Umstände!“ „Das Leben ist so ungerecht!“ „Die Anderen sind meistens Schuld!“

Eine weitere universelle Schutzstrategie ist die Projektion. Es bedeutet, dass ich andere Menschen durch die Brille meiner eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrnehme und so den Konflikt verhindert, den man eigentlich mit sich selbst hätte. Die eigenen Wünsche, Impulse, Gedanken und Gefühle werden dabei anderen unterstellt. Oftmals passiert es auch, dass man die Erfahrungen, die man mit seiner Mutter oder seinem Vater gemacht hat auf den Partner projiziert. Wenn die Mutter zum Beispiel sehr kontrollierend war, kann es passieren, dass man sich sehr schnell vom Partner kontrolliert fühlt.

Die klassische Projektion liegt dann vor, wenn bestimmte psychische Eigenschaften, wie Aggression, Sexualität, Gier, Neid, Lebendigkeit oder Unordnung in einer Person entwertet sind und daher von ihr nicht toleriert werden können. Da diese Anteile als schlecht oder böse bewertet sind, findet man sie nicht bei sich und schiebt sie anderen in die Schuhe und dort werden sie dafür überdeutlich als störend wahrgenommen und bekämpft. Zur Projektion eigener Anteile gehört zusätzlich, dass man emotional gereizt auf dieses Thema reagiert und ihnen scheinbar überall begegnet. Doch man ist überzeugt, von dieser Eigenschaft nichts zu haben, weder denkt noch fühlt man so. Das Thema ist bei „den anderen“ gut aufgehoben und es belastet einen nicht weiter, außer, wenn man durch diese damit konfrontiert wird, dann ist man verärgert und gereizt. Verräterisch ist also der unangemessene Ärger über Themen, auf die andere gelassener reagieren.

Die Verdrängung und die Projektion betreffen die psychische Funktion der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung ist wiederum die Basis für alle weiteren psychischen Funktionen wie Denken, Fühlen und Handeln. Auf der Wahrnehmung baut alles auf, sie ist quasi mit unserem Bewusstsein gleichzusetzen. Daher ist eine Wahrnehmungsverzerrung in dem Moment, wo sie stattfindet, für den Betroffenen nicht zu erkennen. Er steckt in seiner eigenen Realität und könnte nur im Nachhinein durch Reflexion feststellen, dass er in einem „falschen Film“ gefangen war. In welchem Ausmaß Menschen Selbstreflexion betreiben ist sehr unterschiedlich. Einige sind ständig um Weiterentwicklung bemüht, andere hingegen kaum oder gar nicht. Menschen die sich vor Selbsterkenntnis drücken, haben meistens große Angst davor, mit ihrem verletzten inneren Kind in Kontakt zu kommen.

Verschiebung und Phobien

Typische Glaubenssätze: „Ich reiche nicht!“ „Ich bin dir ausgeliefert!“ „Ich bin wertlos!“ „Neuem und Veränderungen stehe ich überwiegend ablehnend gegenüber, bleibe bei dem, was ich kenne, und 
gehe keine Risiken ein.“ „Konfrontation ist nicht gut!“

Verschiebung ist ein weiteres Werkzeug des Bewusstseins. Es werden konflikthaft erlebte Gefühle, Impulse oder Aggressionen gegenüber einer bestimmten Person, gegen die man sich nicht „traut“ entsprechend aufzutreten, auf andere Personen oder Gegenstände verschoben.

So werden z. B. Aggressionen, die durch die Strenge des Vaters entstanden sind, vom Kind an kleinere Geschwistern ausgelassen. Oder der Angestellte, der sich durch seinen Chef ungerecht behandelt fühlt, gibt den Stress an seine Praktikanten weiter.

Meist dient sie dazu, zwiespältig erlebte Beziehungen zu sichern. Gefühle, Impulse und Phantasien, die die Beziehung gefährden könnten, werden nicht mehr der Beziehung zugeordnet, sondern auf ungefährliche Bereiche verschoben. Verschiebung führt häufig zur Entstehung von Phobien.

  • Eine Spinnenphobie verschlüsselt oft Ängste und Aggressionen, die sich auf Bezugspersonen beziehen, von denen man sich vereinnahmt und gefesselt fühlt.
  • Bei der Höhenangst kann man fragen, ob jemand sich fürchtet, mit einer Bezugsperson um Rang und Position zu konkurrieren.
  • Der Klaustrophobe fühlt sich womöglich von Personen beengt, auf deren Schutz er nicht verzichten will.

Perfektionismus

Typische Glaubenssätze: „Ich reiche nicht!“ „Ich bin nicht gut genug!“ „Ich bin nicht schön genug!“ „Ich bin nicht klug genug!“

Bei anderen Schutzstrategien, die sich eher auf die Ebene des Verhaltens und Handelns beziehen, ist es viel leichter diese zu erkennen und entsprechend ist es auch leichter etwas zu verändern. Perfektionsstreben, Schönheitswahn und die Sucht nach Anerkennung sind solche Abwehrmechanismen und betrifft Menschen, die in ihrem Selbstwert verunsichert sind. Innere Glaubenssätze sind „Ich genüge nicht! Ich darf keine Fehler machen! Ich sehe nicht gut genug aus! Ich bin ein Versager!“ Sie wollen keinerlei Angriffsfläche bieten und streben daher nach dem Perfektionismus. Betroffene rennen permanent ihren eigenen Ansprüchen hinterher, aber es ist nie genug, es gibt immer ein Höher, Weiter, Besser. Ihre eigenen Erfolge können sie selbst meist nicht anerkennen. Sie suchen ihre Anerkennung im Außen, jedoch müssten sie nach innen schauen und endlich ihr verletztes inneres Kind anerkennen.

Harmoniestreben und Überanpassung

Typische Glaubenssätze: „Ich genüge nicht!“ „Ich muss brav sein!“ „Ich bin unterlegen!“ „Ich darf mich nicht wehren!“

Harmoniestreben und Überanpassung ist ebenfalls eine häufig angewendete Überlebensstrategie. Diese Menschen unterdrücken ihre eigenen Bedürfnisse oft so sehr, dass sie sie nicht einmal mehr wahrnehmen. Es fällt ihnen oftmals schwer, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das verletzte innere Kind wird beschützt, indem sie sich für andere aufopfern, um der Ablehnung zu entgehen. Sie sind aggressionsgehemmt und reagieren auf persönliche Grenzverletzungen eher mit Trauer als mit Wut. Harmoniesüchtige haben große Angst anzuecken, sind deswegen konfliktscheu, sagen häufig nicht was sie fühlen oder denken und unterwerfen sich freiwillig.

Helfersyndrom

Typische Glaubenssätze: „Ich bin wertlos!“ „Ich genüge nicht!“ „Ich muss dir helfen, um geliebt zu werden!“ „Ich bin unterlegen!“ „Ich bin von dir abhängig!“ „Ob ich glücklich bin, hängt weitgehend von anderen ab!“ „Mich selbst glücklich zu machen ist egoistisch und daher falsch.“

Beim Helfersyndrom soll das verletzte innere Kind beschützt werden, indem sie anderen Menschen ihre Hilfe anbieten. Sie kümmern sich im Außen, obwohl auch sie nach innen schauen und erst einmal sich selbst helfen sollten. Meist suchen sie sich „Hilfsprojekte“ aus, die aussichtslos sind. Oftmals handelt es sich dabei um den eigenen Partner, der entweder psychische Probleme hat, suchtkrank ist, ein Pflegefall oder finanziell kurz vor dem Abgrund steht. Die Annahme des Helfenden lautet sinngemäß „Du brauchst mich, also bleibst du bei mir!“. Sie kämpfen bis zur Verausgabung und wollen nicht wahrhaben, dass sie nur wenig Einfluss auf ihr „Zielobjekt“ haben. Denn wenn dieses keine eigene Verantwortung übernimmt und selbst nichts an der eigenen Situation ändern möchte, dann kämpft der Helfende auf verlorenem Posten und merkt selbst nicht, dass sich die Situation der Abhängigkeit verkehrt hat. Er kann weder helfen, noch kann er sich vom Partner lösen, obwohl sie meist nicht gut von ihrem Partner behandelt werden. Meist nagt bei Menschen mit Helfersyndrom das Gefühl der Schuld. Dem Partner geht es wegen ihnen nicht gut, vielleicht ging es dem Vater oder der Mutter wegen ihnen auch schon nicht gut. Ein weiteres Thema bei Ihnen ist die Angst vor Liebesentzug, vor Verlust. Wer permanent anderen hilft, hat meist gut gelernt Verantwortung für andere zu übernehmen und fühlt sich mit dieser Aufgabe wohl und sicher, aber sie haben nie gelernt, für sich selbst zu Sorgen, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und stehen nicht selten selbst irgendwann vor einem Abgrund. Sie denken, sie tun Gutes, aber an erster Stelle muss immer erst ausreichend für sich selbst gesorgt werden, bevor man sich um andere kümmert. Nicht selten wird jedoch angenommen, dass Selbstliebe mit Egoismus gleichzusetzen sei. Dabei ist Selbstliebe die Grundlage für eine gesunde Beziehung zu sich und zu anderen.

Für Menschen mit Helfersyndrom ist der Abschnitt "Flucht in die Sucht" sicherlich auch sehr interessant, da das Helfen nicht selten suchtähnlichen Charakter annimmt.

Machtstreben

Typische Glaubenssätze : „Ich bin dir ausgeliefert!“ „Ich bin ohnmächtig!“ „Ich kann mich nicht wehren!“ „Ich genüge nicht!“ „Ich darf keine Fehler machen!“ „Ich darf niemandem vertrauen!“ „Ich komme zu kurz!“ „Ich muss alles unter Kontrolle haben!“

Machtstreben ist bei Menschen zu finden die sich der Übermacht ihrer Eltern häufig ausgeliefert fühlten und als Kind zu kurz kamen. Als Erwachsene haben sie Angst in Situationen zu geraten, wo sie angegriffen oder vernichtet werden können. Daher wollen sie im zwischenmenschlichen Kontakt die Oberhand behalten, damit sie nicht selbst ins Straucheln geraten. Hierbei können sie zwischen aktivem und passivem Widerstand als Strategie wählen. Um Widerstand zu leisten, benötigt man ein gewisses Maß an Aggression und auch hier gibt es aktive und passive Aggression. Passive Aggression bedeutet, dass sie genau das nicht tun, was man von ihnen erwartet beziehungsweise was man sich von ihnen wünscht. Sie haben es dann einfach „vergessen“ oder tun es quälend langsam. Sie lassen andere gern auflaufen. Sie fügen damit ihrem Gegenüber jene Ohnmachtsgefühle zu, die sie bei sich unbedingt vermeiden wollen. Machtstreben ist ein Teilaspekt des Narzissmus. Dahinter verbergen sich Unsicherheit, Minderwertigkeit und mangelndes Vertrauen.

Kontrollstreben

Typische Glaubenssätze: „Ich muss alles im Griff haben!“ „Ich bin dir ausgeliefert!“ „Ich verliere mich!“ „Ich kann dir nicht vertrauen!“ „Ich genüge nicht! Ich bin nichts wert!“

Eine Variante des Machtstrebens ist ein überhöhtes Kontrollstreben. Kontrolle dient genau wie Macht dem Sicherheitsbedürfnis. Aus dem Gefühl der Unsicherheit heraus muss man ein gewisses Maß an Kontrolle über sich selbst und über die Umgebung ausüben. Diese Menschen haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und handeln aus der Angst vor dem Chaos, vor dem Untergang der eigenen Person heraus. Bei diesen Menschen zeigt sich oftmals Flugangst, Putzzwang, Eifersuchtswahn, Grübelzwang, striktes Einhalten von Regeln. Sie neigen dazu sich zu verausgaben und haben oftmals Probleme Aufgaben zu delegieren. So wenig sie sich selbst vertrauen, so schwer fällt es ihnen, anderen zu vertrauen. Kontrollstreben kostet unglaublich viel Energie. Meist wird es begleitet von nicht loslassen, zulassen können und emotionaler Abhängigkeit und somit auch Abhängigkeiten von Substanzen, damit man die Kontrolle mal loslassen kann für einen Moment.

Infantilität

Typische Glaubenssätze: „Ich bin schwach!“ „Ich bin abhängig!“ „Ich muss mich anpassen!“ „Ich darf dich nicht enttäuschen!“ „Ich schaffe es nicht alleine!“ „Ich darf nicht verlassen!“ „Andere sind für meine Gefühle verantwortlich und ich bin für ihre Gefühle verantwortlich!“

Ich bleibe Kind. Hierbei ist die Strategie sich von anderen durch das Leben führen zu lassen. Sie wollen nicht erwachsen werden, sondern Kind bleiben. Sie geben die Verantwortung an andere ab. Das verletzte innere Kind wird beschützt, indem sie sich klein und abhängig halten und die Vorstellungen der Eltern übernehmen. Sie haben oft Schuldgefühle und reden sich die Dinge schön, um nicht handeln zu müssen.

Narzissmus

Typische innere Glaubenssätze: „Ich bin wertlos!“ „Ich bin ein Niemand!“ „Ich bin ein Versager!“ „Ich darf nicht fühlen!“ „Ich muss es allein schaffen!“

Die Demonstration der eigenen Größe und Unfehlbarkeit dient auch nur dem Selbstschutz und wurde unbewusst entwickelt, um das verletzte innere Kind nicht zu spüren. Menschen, die eine narzisstische Persönlichkeit entwickeln, haben früh gelernt, das verletzte innere Kind, welches sich wertlos und zutiefst unsicher fühlt, zu verdrängen. Dies tun sie, indem sie sich ein ideales zweites Selbst zulegen. Der Narzisst tut alles, um sich aus dem Durchschnitt herauszuheben. Er strengt sich unheimlich an, etwas Besonderes zu sein, weil das verletzte innere Kind tief verborgen im Inneren genau das Gegenteil empfindet. Um dieses Kind in Schach zu halten, streben sie nach außerordentlichen Leistungen, Macht, Schönheit, Erfolg und Anerkennung. Sie haben ein Gespür für die Schwächen ihres Gegenübers, die sie gern in ätzender Kritik verbalisieren, um sich selbst aufzuwerten. Das Gefühl der tiefen Verunsicherung und Minderwertigkeit, welches sie selbst nicht spüren wollen, lösen sie so bei anderen aus. Genauso gut wie der Narzisst abwerten kann, kann er auch idealisieren. In diesem Fall gibt er mit dem tollen Partner, den perfekten Kindern und den einflussreichen Freunden an. Er idealisiert schnell neue Bekanntschaften, lässt sie aber genauso schnell wieder fallen. Meist führen sie eine Partnerschaft mit einem anderen Narzissten. In dieser Konstellation ist die Beziehung eine Achterbahnfahrt der Gefühle, keiner gibt nach, Machtkämpfe sind an der Tagesordnung. Oder aber er sucht sich einen Partner der sich minderwertig und abhängig fühlt und die Verbalattacken des Narzissten ohne Gegenwehr über sich ergehen lässt und stets bemüht ist dessen Erwartungen zu erfüllen. Es geht dem Narzissten vor allem darum, durch den Partner aufgewertet zu werden. Als Kollege oder Vorgesetzter ist der Narzisst oftmals unbeliebt auf Grund von ausgesprochenem Machtstreben und extremem Ehrgeiz. Was den Umgang zusätzlich erschwert, ist die hohe Kränkbarkeit. Es ist schwer nachvollziehbar, aus welch harmlosen Anlässen narzisstische Menschen sich gekränkt fühlen können, zumal sie durch ihre scheinbare Selbstsicherheit nicht den Eindruck eines Sensibelchens machen. Gerade diese Menschen können in starke depressive Zustände abstürzen.

Lügen und Rollenspiele

Typische innere Glaubenssätze: „Ich bin wertlos!“ „Ich bin ein Niemand!“ „Ich reiche nicht!“ „Konfrontation ist nicht gut.“

Lügen und Rollenspiele als Selbstschutz. Man kann nicht immer und überall authentisch sein, denn man muss sich an gewisse gesellschaftliche Normen und Regeln halten. Aber manche Menschen, vor allem die mit einem schlechten Kontakt zu ihren Gefühlen, spielen regelrecht eine Rolle und verstecken sich hinter einer Maske. Sie wollen der Welt nur ihre starken und fröhlichen Seiten präsentieren. Einige trauen sich nicht vor die Tür, wenn sie einen schlechten Tag haben. Ihre Angst abgelehnt zu werden und sich den Angriffen ihrer Mitmenschen auszuliefern ist sehr groß. Nicht wenige Menschen trauen sich nicht einmal bei ihrem eigenen Partner authentisch zu sein. Sie wollen dem Partner möglichst nur ihr „vorzeigbares Ich“ präsentieren. Sie glauben, mit ihren Wünschen und Bedürfnissen die Beziehung zu belasten. Auf Dauer entwickeln sie das Gefühl in ihrer Beziehung chronisch zu kurz zu kommen, sie stauen Frust an und wenn sie sich dann aus einem freundschaftlichen oder partnerschaftlichen Kontakt zurückziehen, bleibt der Andere oftmals verwundert zurück

Als Kind mögen diese Mechanismen sinnvoll gewesen sein. Sie haben treu und zuverlässig über lange Jahre das getan, womit sie einst beauftragt wurden. Nämlich vor erneuten Verletzungen zu schützen. Jedoch halten sie einen Erwachsenen der selbstverantwortlich leben kann oftmals von Zufriedenheit, Liebe und Erfolg ab.

Mittels der Flowering Tree - Methode können sie diese überflüssig gewordenen Schutzstrategien endlich loswerden.