Unser inneres Kind ist eine Teilpersönlichkeit in uns und „lebt“ in unserem Unterbewusstsein. Von dort aus agiert es und beeinflusst unser Leben als Erwachsene je nach unseren individuell gemachten Erfahrungen. Besonders prägend ist dabei die Zeit bis zum 5. Lebensjahr. Es ist also unser inneres Kind das darüber entscheidet, ob das Glas halb leer oder halb voll ist.

 

Das gesunde innere Kind:

Der Atem fließt in der Regel ruhig, sanft und tief. Die Gefühle und Bedürfnisse sind klar und können ausgedrückt werden. Typisch für Menschen mit gesundem inneren Kind ist, dass sie sich sicher, geborgen und geliebt fühlen, einen tiefen Kontakt zu sich selbst haben und somit auch zu anderen. Sie sind sich ihrer selbst sicher. Sie sind interessiert und gestalten ihr Leben. Sie kennen ihre eigenen Grenzen, nehmen auch die der Anderen wahr und respektieren diese. Sie sind bei sich und besitzen die Fähigkeit sich auch in schwierigen Situationen selbst zu beruhigen und angemessen zu reagieren. Die Liebes- und Beziehungsfähigkeit ist voll entwickelt.

 

Das verletzte innere Kind:

Der Atem ist in der Regel eher oberflächlich und kurzatmig und nur selten findet tiefe Bauchatmung statt. Typisch für Menschen mit einem verletzten inneren Kind ist, dass sie nur wenig bis gar keine Möglichkeit zur Gefühlsregulierung haben. Sie sich also häufig ihren Gefühlen machtlos ausgeliefert fühlen. Sie legen impulsives Verhalten und eine geringe Frustrationstoleranz an den Tag. Schon die kleinste Bemerkung kann als grobe Kritik aufgefasst werden. Die kleinste Zurückweisung kann enorme, für andere als unangemessen empfundene Reaktionen auslösen. Die alten Verletzungen bleiben im Unbewussten und mit ihnen der Schmerz. Das innere Kind ist sehr einflussreich, besonders wenn es ein verletztes, ungeliebtes Kind ist kann es uns das Leben schwer machen. Es wird immer wieder durch ein Übermaß an beispielsweise Fernsehen, Essen, Alkohol, Drogen, Arbeit, Sport, Schlaf, Sex und vieles mehr verdrängt. Jeder sucht sich seinen eigenen Verdrängungsmechanismus. Alles kann dazu umfunktioniert werden und als Flucht vor sich selbst fungieren. Als Erwachsener mit einem verletzten inneren Kind fühlt man sich oftmals unverstanden. Häufig hat man das Gefühl anders zu sein, nicht dazuzugehören. Wenn man keinen tiefen Kontakt zu sich selbst hat, kann man ihn auch nicht zu anderen haben. Als Folge fühlt man sich ungeliebt und einsam. Ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere macht sich in einem breit. Häufig ist man unsicher und hat mit geringem Selbstwert zu kämpfen. Man weiß eigentlich gar nicht genau wer man ist und macht sich abhängig von der Meinung anderer. Meist kennt man weder die eigenen Grenzen, noch achtet man die der Anderen. Viele von ihnen haben eine Art Helfersyndrom, bitten jedoch selten bis gar nicht andere um Hilfe. Emotional tappen sie im Dunkeln. Sie sehnen sich sehr nach Liebe, aber geraten häufig an den „falschen“ Partner und erkennen nicht, dass auch ihre eigene Bindungsfähigkeit kaum entwickelt ist. Die Beziehungen zwischen Menschen mit Bindungsängsten verlaufen meistens nicht sicher gebunden, sondern leben von extremen Höhen und Tiefen, es gibt selten lange Phasen der Ruhe. Es ist das verletzte innere Kind, welches da tobt und immer wieder für Dramen sorgt. Verdrängtes findet einen Weg nach oben. Wenn nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen, dann zeigt es sich in zum Beispiel beruflichem Misserfolg, egal was man anfasst, es gelingt nicht. Oder die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Atemprobleme, Hautprobleme können durch ein verletztes inneres Kind welches keine Beachtung findet ausgelöst werden. Denn, es möchte geheilt werden.

Hat ein Mensch als Kind viele negative und ablehnende Erfahrungen gemacht, ist mit zu wenig Liebe, zu wenig Aufmerksamkeit, oder im Gegensatz dazu überbehütet aufgewachsen oder wurde auf anderem Wege in seiner Persönlichkeitsentwicklung gestört, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich Abwehrmechanismen zu eigen gemacht hat und sein inneres Kind unbewusst ablehnt und ignoriert, weil er diesen Schmerz nicht noch einmal durchleben möchte.

Im Prinzip ist das verletzte innere Kind ein Schattenaspekt unserer Persönlichkeit. Es ist das Ungelebte, das Unverarbeitete und Verdrängte in unserem Leben. Es ist der Mangel und der Schmerz dessen, was wir als Kind erfahren haben, was uns oftmals unbewusst und ungewollt angetan oder vorenthalten wurde. Und das, was uns über uns selbst zu denken beigebracht wurde.